Vor neun Monaten wusste ich nicht einmal, dass Bonaire existierte. Mittlerweile führe ich eine Beziehung auf der karibischen Insel und verbringe viel Zeit hier. Doch wie kam es überhaupt dazu? Alles begann in einem kleinen Dorf in Nordvietnam …
Key Takeaways
- Oft passiert die Magie genau dann, wenn du sie nicht erwartest
- Manchmal kann sich etwas richtig anfühlen, selbst wenn nichts klar ist
- Beim Reisen kannst du sehr besondere Menschen kennenlernen …
- … und eine Geschichte entstehen lassen (ohne zu wissen, wohin sie führt)
Alles begann in einem kleinen Dorf in Vietnam
April 2025: Ich war gerade in einem Homestay in einem kleinen Dorf in Nordvietnam angekommen. Wie jedes Jahr verbrachte ich den Winter als digitale Nomadin in der Ferne: Thailand, Kambodscha, Vietnam. Doch nach mehreren Monaten in Asien war es langsam Zeit, für den Sommer nach Europa zurückzukehren.
„Jetzt passiert eh nichts Spannendes mehr, time to go“, dachte ich. Deswegen hatte ich kurz zuvor meine Rückreise gebucht: noch ein paar Tage im Homestay, anschließend eine Motorradtour im Norden Vietnams, dann für zehn Tage nach Taiwan (wo ich eh schon mal in der Nähe bin) und dann – mit einem viertägigen Stopover in Shanghai – ab nach Deutschland.
Plötzlich stand dieser Typ in der Tür
Zurück zum Homestay: Dort saß ich also, die Pläne für meine letzten Reiseschritte fertig geschmiedet, als plötzlich ein grinsender Dude in der Tür stand und ein fröhliches „Hello!“ ins Wohnzimmer rief.
Er kam herein, setzte sich zu mir und wir begannen zu quatschen. Dank des typischen Traveller-Smalltalks erfuhr ich schnell, dass er in den Niederlanden geboren wurde, aber auf dieser Insel namens „Bonaire“ aufgewachsen ist (seine Eltern wanderten dorthin aus, als er sieben war). Außerdem erzählte ich ihm von meinen weiteren Reiseplänen. Und er erzählte mir, dass er noch unschlüssig war, wohin er als nächstes wollte.
Reisfelder, Gespräche, Sonnenuntergang
Am nächsten Nachmittag saßen wir gemeinsam auf dem Balkon und führten unser Gespräch fort. Gleichzeitig ging die Sonne über den Reisfeldern unter. Sie lies die Kulisse, auf die wir blickten, wunderschön glänzen. Fast ein bisschen kitschig.
Wir unterhielten uns über Gott und die Welt und irgendwie war direkt klar: wir verstehen uns. Halb ernst, halb spaßig bot ich ihm daher an, mich auf meiner geplanten Motorradtour, die einige Tage später begann, zu begleiten. Und er? Nahm das Angebot an. Ich glaube, schon da merkten wir beide, dass da irgendwie mehr zwischen uns ist.
Die nächsten Tage im kleinen Dorf
Wir verbrachten noch ein paar Tage zusammen in dem Homestay: Ich hatte eine Lebensmittelvergiftung, er brachte mir Cracker; wir flitzten auf seinem geliehenen Roller durch die Gegend und zum Käffchen schlürfen; sahen Filme und teilten uns ein Zimmer.
Gemeinsam weiter: Erst Hanoi, dann auf Tour
Anschließend ging es für eine Nacht nach Hanoi und dann tiefer in den Norden Vietnams, wo unsere viertägige Motorradtour begann. Wahrscheinlich hatten uns dort bereits alle aus der Gruppe für ein Pärchen gehalten … doch in Wirklichkeit kannten wir uns gerade ein paar Tage. Das hielt mich jedoch nicht davon ab, ihn zu fragen, ob er nicht mit mir nach Taiwan wollte.
Und sag mal ... willst du nicht mit nach Taiwan?
Es war der erste Abend auf der Tour, wir waren in unserer Unterkunft angekommen und hatten uns draußen, etwas abseits der Gruppe, ein Plätzchen für uns gesucht. Es begann zu regnen und wir flohen unter eine kleine Überdachung. Und naja … er zückte sein Handy und buchte seinen Flug nach Taiwan. Im Gegenzug verschob ich meine Flüge nach Shanghai und Deutschland, damit wir noch etwas mehr Zeit zusammen hatten.
Gemeinsam nach Taiwan … und anschließend Abschied nehmen
Also ab nach Taiwan: Wir verbrachten viel Zeit in Taipeh und bereisten nebenbei Hualien und Tainan. Was sich zwischen uns entpuppte, war mehr als ein belangloser Reiseflirt. Allerdings wussten wir auch, dass sich unsere Wege bald trennen würden. Und so kam es dann auch.
Nach drei Wochen ging es für uns zusammen zum Flughafen … aber unterschiedliche Flugzeuge! Bereits auf dem Weg zum Flughafen konnte ich nicht aufhören zu weinen. Ich wollte mich nicht verabschieden. Wir hatten zwar die Idee, dass er mich drei, vier Monate später in Berlin besuchen kommen würde … doch ob das wirklich passieren würde? Das wusste ich natürlich nicht.
Noch ein Fun Fact: Wir mussten uns schon vor der Sicherheitskontrolle trennen, da wir in zwei unterschiedlichen Terminals abflogen. Trotzdem ist er anschließend nochmal durch den ganzen Flughafen gehetzt (fast eine Stunde lang), um mich, kurz bevor ich boarden musste, doch noch einmal abzupassen. Wir umarmten uns so lange, bis ich schließlich (ganz nett und freundlich) aufgefordert wurde, endlich ins Flugzeug zu gehen.
Werden wir uns jemals wiedersehen?
Nach unserer Trennung am Flughafen folgte fast kein Tag, an dem wir uns nicht schrieben. Wir waren ständig in Kontakt, ohne zu wissen, was das eigentlich genau für uns ist und ob es irgendeine Art von Zukunft hat. Denn klar war auch: Ich will weiterhin viel unterwegs sein und habe einen Wohnsitz in Deutschland; er hingegen war gerade in den letzten Monaten einer langen Reise und wollte danach (aus familiären Gründen) fürs Erste zurück nach Bonaire.
3,5 Monate später: Wiedersehen in Europa
3,5 Monate später ging es für ihn aber erst einmal nach Europa und unsere Wege kreuzten sich tatsächlich wieder. Und zwar in einem Café in Schweden. Er besuchte dort Freunde, ich nutzte die Gelegenheit für einen kleinen Urlaub. Wir sahen uns und alles fühlte sich direkt wieder vertraut an.
Stockholm, Berlin ... und ein erneuter Abschied
Es war, als wäre keine Sekunde vergangen. Wir verbrachten ein paar schöne Tage in Stockholm und flogen anschließend zusammen nach Berlin, wo er mich fast einen Monat besuchte. In dieser Zeit festigte sich unsere Verbindung und wir schmiedeten erneut einen Plan: Ich war an der Reihe, ihn in der Karibik zu besuchen.
Genau so kam es auch. Zuvor hieß es jedoch erneut für 2,5 Monate Abschied nehmen. Erneut 2,5 Monate täglich schreiben. Erneut 2,5 Monate immer noch nicht so ganz genau wissen, was das eigentlich zwischen uns ist und wohin es uns führt.
My turn: Auf in die Karibik!
Und dann? Dann stieg ich mit One-Way-Ticket in den Flieger. Ab in die Karibik! Dort verbrachte ich ganze drei Monate. Erst einmal brauchte ich eine Weile, um wirklich anzukommen. Aber dann? Wurde es richtig schön!
Wir hatten einen Alltag zusammen und alles fühlte sich einfach nur gut an. Wir richteten uns zusammen ein, gingen Zimmerpflanzen shoppen und ich brauchte meinen eigenen Touch in die vier Wände: vier Wände, die erst seine waren, aber nach uns nach zu unseren wurden. Deswegen beschlossen wir auch, unsere Beziehung offiziell zu machen und dem Ganzen eine Chance zu geben.
Anschließend musste ich (fürs Erste) ausreisen. Visum und so. Ich darf nämlich immer nur drei Monate innerhalb von sechs Monaten auf der Insel sein. Und so kamen ganz neue Fragen auf: Soll ich mich aus Deutschland abmelden? Kann unsere Beziehung funktionieren, auch wenn wir gerade sehr unterschiedliche Lebensrealitäten haben? Und uns manchmal für einige Zeit nicht sehen können?
Alles Weitere wird die Zeit zeigen
Aber wisst ihr was? Das wird die Zeit zeigen!
Nun bin ich erst mal zwei Monate in Kolumbien, bevor ich mich mit meinem Freund in Mexiko treffe. Dort machen wir gemeinsam Urlaub, damit wir uns schon etwas früher wiedersehen können. Und kurz darauf darf ich schon wieder nach Bonaire einreisen. Und genau das werde ich wahrscheinlich auch machen.
To be continued …
PS: Folge mir gerne auf Instagram, wenn du meine bzw. unsere Geschichte genauer verfolgen willst. 💛
Infobox: Von Urlaubsflirt zu Beziehung
✨ Was ein Romanze auf Reisen besonders macht
Man lernt sich in einem ganz anderen Setting als gewöhnlich kennen: kein Alltag, dafür Abenteuer. Das Ganze entsteht ganz ungeplant: mit einem Menschen, den man sonst wahrscheinlich niemals getroffen hätte.
🌍 Die Herausforderung dabei?
Oft kommt man nicht aus derselben Gegend. Ja, vielleicht trennen euch im normalen Leben sogar ganze Kontinente: so, wie es bei mir und meinem Freund war. Und das heißt: Wahrscheinlich werden sich eure Wege auch im Urlaub bzw. auf Reisen irgendwann wieder trennen.
🥰 Aber das Gute ist …
Eure Wege müssen sich nicht für immer trennen. Wenn ihr wollt, könnt ihr euch wiedersehen. Das heißt nicht, dass es einfach wird. Aber es heißt: Alles ist möglich. Sofern ihr wollt!
👉 Und was ist beim Dating auf Distanz wichtig?
Soll das Ganze funktionieren (gerade in der Anfangsphase), dann ist es wichtig, dass ihr gut und offen kommuniziert. Bleibt euch (innerlich) nah, schmiedet Pläne, aber sprecht auch über eure Unsicherheiten und Bedürfnisse. Und: Macht euch gleichzeitig keinen Druck und bleibt offen für Flexibilität und neue Wege. Und wer weiß? Vielleicht entsteht über kurz oder lang etwas Wunderschönes daraus! 💛