Fashion Umdenken Teil 2 – Umwelt & Kleidung: Warum unsere Kleidungsindustrie nichts Gutes verheißt

Kleidungsindustrie: Gründe gegen Fast Fashion

Die Kleidungsindustrie ist nicht gerade ein Glanzstück in unserer Konsumwelt. Wir leben in einer Fast Fashion Gesellschaft – Viel wird produziert, viel wird (schnell wieder) weggeschschmissen. So ist sie, zumindest in der Regel und im neuen Zustand, ein großer Feind für unsere Umwelt: Kleidung. Warum das so ist, habe ich euch hier einmal stichpunktartig zusammengefasst.

Unschöne Kleidungsindustrie: Diese Gründe sprechen dagegen neue Klamotten zu kaufen

1. Fast Fashion und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen

    • Mehr als 90% an Kleidung stammt aus Asien.
    • Dort wird es zum Großteil unter sehr schlechten Arbeitsbedingungen (Hungerlohn, hohe Arbeitszeit, schlechte Fabrikgebäude, …) hergestellt.
    • Kinderarbeit steht an der Tagesordnung (selbst, wenn sie eigentlich verboten ist).

2. Die Kleidungsindustrie und ihre enorme CO2 Produktion

      • Die (Fast Fashion) Textilproduktion findet nicht nur in einem Land, sondern in unterschiedlichen Ländern statt: Dementsprechend legt Kleidung, bis sie bei uns ankommt, einen Weg von rund 20.000 km zurück.
      • Durch die Herstellung und Transport von Klamotten entsteht CO2: Insgesamt rund 1,2 Billionen Tonnen (Das ist mehr als alle internationalen Flüge und Kreuzfahrten zusammen).
      • Wenn es so weitergeht könnte die gesamte Textilindustrie laut Untersuchungen bis 2050 für rund ein Viertel des weltweiten CO2 Ausstoßes verantwortlich sein.

3. Wir leben in einer Fast Fashion Gesellschaft par excellence

    • Von 2000 auf 2015 hat sich der Konsum von Klamotten weltweit verdoppelt (von 50 auf rund 100 Milliarden).
    • Die Preise für Klamotten sind hingegen gesunken (und sinken immer weiter).
    • Vieles wird nur um des Kaufens Willen gekauft, nicht weil es gebraucht wird.
    • Jedes fünfte Kleidungstück wird deshalb so gut wie nie getragen.

4. Fast Fashion: Schnell produziert, schnell weggeworfen

      • Günstige Mode, die nach kurzer Zeit kaputt geht oder aussortiert wird, bestimmt die Kleidungsindustrie und unsere Konsumwelt (Überspitzt formuliert: “Ach, lieber mal nur 4,99€ für ein Shirt zahlen und nach einem Monat, wenn es kaputt ist, wegwerfen anstatt für bessere Qualität etwas tiefer in den Geldbeutel zu langen und etwas länger was davon zu haben”) .
      • Schuhe, Oberteile und Hosen werden häufig nach weniger als einem Jahr schon wieder aussortiert.
      • Es wird zu viel produziert: Dadurch landen mindestens 230 Millionen Textilien pro Jahr in Deutschland direkt wieder im Schredder oder in der Müllverbrennungsanlage. Sad but true: Produziert um vernichtet zu werden.
Fast Fashion ist nicht gut für unsere Umwelt
Fast Fashion. Und unsere Umwelt so: “Oh noooo!”

5. Nicht gut für die Umwelt: Kleidung meets Chemikalien und Gifte

    • 6.500 verschiedene Chemikalien, wie z.B. Kupfer, Arsen, Cadium, werden in der Textilproduktion genutzt. Aus den Fabriken heraus verschmutzen sie Flüsse und die Natur. Und somit auch Trinkwasser und Nahrungsmittel. Diese sind häufig giftig, viele auch krebseregend.
    • Auch beim Anbau der nötigen Materialien (z.B. Baumwolle) kommen Gifte, wie beispielsweise Pestizide, zum Einsatz und verunreinigen die Böden.

6. Texilproduktion und Ressourcenverschwendung

          • Die Herstellung von Klamotten verbraucht viele Ressourcen: insbesondere Wasser. Beispielsweise aber auch Baumwolle, tierisches Material, usw.
          • Gerade der Anbau von Baumwolle benötigt sehr viel Wasser. So besteht der ehemals viert größte See der Welt, der Aralsee, heute nur noch aus ein paar Pfützen.

7. Plastik in der Umwelt: Kleidung sorgt für Mikroplastik in unseren Gewässern

    • Polyester, Nylon und Acryl beispielsweise sind Plastikfasern. Beim Waschen von Klamotten, in die derartiges Materialien eingearbeitet ist, gelangen Plastikpartikel ins Wasser und Meer.
    • Über kurz oder lang geraten diese schließlich auch in den menschlichen Organismus. Welche Folgen das für uns hat, ist noch unbekannt.

8. Fehlende Transparenz innerhalb der Kleidungsindustrie

    • Die Strukturen, Herstellungsweisen, etc. werden oft wenig kommuniziert und es herrscht nur wenig Transparenz über alle bereits genannten Punkte.
    • Das gilt für Billigkleidung genauso wie für teure Kleidung.

9. Bereits getragene Klamotten tun’s auch. Ehrlich!

    • Man findet viel gebrauchtes in guter Qualität.
    • Es ist günstiger.
    • Gerade wenn Klamotten nur so kurzweilig genutzt werden, muss man sie doch nicht neu kaufen.
    • Neu oder gebraucht: Glücklich macht nicht der Zustand, sondern wie es uns gefällt.

Kleidungsindustrie: Ein kurzer Überblick in Videoform

Dieses Video von Quarks gibt nochmal einen kompakten aber guten Überblick. Schaut euch das einfach mal an. Kurz und informativ!

Umwelt und Kleidung: Was lernen wir (hoffentlich) daraus?

Eigenen Konsum überdenken

Zunächst sollten wir unseren Konsum einfach mal überdenken. Wie häufig muss man neue Klamotten kaufen und macht uns der Besuch in der (digitalen) Shoppingmall wirklich glücklich? Wir besitzen ohnehin viel mehr als wir sehen (und tragen) können. Dabei ist bewiesen, dass weniger mehr ist und eine übersichtliche Menge an Hab und Gut uns fröhlicher stimmt als wenn man den Besitztümer-Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen kann.

Frag dich also, was du wirklich brauchst, ob nun wirklich geshoppt werden muss und wenn ja, wo. Versuche dein Konsumleben ein bisschen minimalistischer zu gestalten und dich immer wieder auf’s Wesentliche zu besinnen (Brauche ich das wirklich? Macht mich das wirklich glücklich oder will ich das nur um des Haben’s Willen?)

Wenn shoppen, dann bitte Second Hand (oder fair und nachhaltig)

Klamotten vom Flohmarkt statt Fast Fashion Kleidungsindustrie
Alles vom Flohmarkt. Oberteil: 4€, Rock: 3€ und die Pilea (habe ich da auch ergattert): 4€.

Wenn geshoppt werden soll, dann am besten Second Hand. Beispielsweise auf dem Flohmarkt oder im Second Hand (Online-) Shop. Und wenn es doch neu sein soll, dann achte auf faire und nachhaltige Labels.

Achja, noch zum Irrglaube nachhaltige Mode kann ich mir nicht leisten, die ist so teuer. Zugegeben: Faire und nachhaltig Labels sind nicht so günstig.  Aber dafür ist die Qualität solcher Klamotten meist auch sehr gut und sie hält deutlich länger (Im Gegensatz zu billiger Ware die gleich kaputt geht und schnell wieder durch neue Anschaffung ersetzt werden muss). Und: Second Hand, gerade auf dem Flohmarkt oder diversen (Online-) Shops, ist richtig günstig (Und noch dazu kann man wahre Schätze dort finden).

Gebrauchte Klamotten bitte nicht wegwerfen

Wenn du mal wieder ausmistest hast (das tut verdammt gut, by the way) oder einfach etwas hast, das du nicht mehr brauchst, wirf es bitte nicht einfach in die Tonne. Verkaufe es auf dem Flohmarkt oder online oder verschenke oder spende es. In der Tonne landet nämlich schon genug.

 

Quellen:

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