Minimalismus – weniger ist mehr

Ich muss es eigentlich nicht sagen, denn eigentlich ist es uns allen klar. Ich tu es aber trotzdem: Leute, wir leben in einer krassen Konsumgesellschaft. Ob Essen, Kleidung, Elektrogeräte oder sonstiger Schnickschnack – wir kaufen. Und zwar viel zu viel und viel mehr als wir brauchen.

Die Dinge, die wir besitzen, sind uns nichts mehr wert. Wir verlieren die Freude an unserem Hab und Gut und können einfach nicht mehr genug bekommen.

In diese Gesellschaft sind wir hineingewachsen. Ja, wir kennen es kaum anders und sind den ausufernden Konsum schlichtweg gewohnt. Er ist Normalität. Leider. Denn durch dieses Verhalten verbrauchen wir Unmengen an Ressourcen, schaden unserem Planeten und noch dazu uns selbst. In diesem Text möchte ich jedoch nicht so stark auf die Umwelt eingehen, sondern den zuletzt genannten Aspekt in den Fokus rücken: uns selbst. Denn wie auch mit dem Planeten, unserer Umwelt und unseren Mitgeschöpfen, sollten wir auch nachhaltig mit unserem Selbst und unseren Wertvorstellungen und Idealen umgehen.

Wir freuen uns nicht mehr über die kleinen, schönen Dinge im Leben. Wir freuen uns nicht mehr über das, was wir haben. Die Wertschätzung ist uns völlig abhanden gekommen und verkümmert zu einem Begriff, mit dem wir diesbezüglich kaum mehr etwas anfangen können. Immer muss es noch besser, noch mehr, noch größer, noch teurer sein. Das Handy wird nach einem Jahr durch ein Neues ersetzt, unsere Einkaufstasche ist gefüllt mit Essen für eine fünfköpfige Familie (dabei sind wir alleine) und ein neues Auto muss auch dringend mal her, um mit dem Nachbarn mithalten zu können.

Zu viel um wertvoll zu sein

Besitz ist schon lange nicht mehr einfach nur das, was wir zum Leben brauchen, sondern vielmehr Statussymbol und der Versuch ein unstillbares Bedürfnis zu stillen. Aber ein unstillbares Bedürfnis nach was eigentlich…? Tja, diese Frage überlasse ich jedem einzelnen von euch. Fakt ist aber: irgendwie reicht uns das Grundlegende bei Weitem (ja, bei sehr Weitem!) nicht mehr aus.

Jede Leere müssen wir mit neuen Gütern füllen und dabei verlieren wir völlig den Überblick. Wir haben so viel, dass nichts mehr davon so richtig Wert hat. Unser Hab und Gut blendet und so sehr, dass kaum noch was davon wirklich erkennen. Ja, so richtig zufrieden und glücklich gestellt werden scheint fast ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Haben wir eine neue Sache, wollen wir schon wieder die Nächste. Nicht der tatsächliche Gebrauch und Umgang mit unserem Besitz macht uns glücklich, vielmehr einfach nur der Gedanke, dass wir dieses und jenes besitzen.

Ich bin glücklich, denn ich besitze

Auf einer Skala von 1 bis 10: wie viel Freude hast du an deinem Auto (oder falls du keines hast – an deiner Handtasche, deinem Fernseher oder Haus)? Zweite Frage, wieder auf einer Skala von 1 bis 10: wie glücklich warst du, als du dein Auto das letzte Mal benutzt hast? Eine Studie der Psychologen Schwarz, Kahneman und Xu hat ergeben, dass die erste Frage, mit einer umso höheren Zahl beantwortet wird, desto teurer und luxuriöser der Besitz, in diesem Fall das Auto, ist. Die genannte Zahl bei der zweiten Frage jedoch, weist auf keinen Zusammenhang mit der Luxuriösität der Ware hin. Mehr noch: die Antworten der Befragten waren alle in etwa gleich tief (Egal, ob Luxussuto oder Schrottkarre). Heißt: unser Auto macht uns womöglich deutlich glücklicher, wenn wir daran denken, als wenn wir es tatsächlich nutzen. Oder allgemein gesagt: nicht die Nutzung von Dingen macht uns glücklich, sondern das Wissen, dass wir diese Dinge besitzen. Besonders, wenn wir sie als Luxus-Gut sehen. Schon irgendwie schräg, oder? Ja, laut den oben genannten Wissenschaftlern überschätzen wir tagtäglich den sogenannten „Happiness-Effekt“ von Dingen (also wie glücklich sie uns tatsächlich machen).

Werbeplakate, TV-Spots und was weiß ich nicht alles tun ihr Übriges: überall wird uns suggeriert, was wir noch nicht haben aber doch unbedingt brauchen. Womit wir uns noch besser fühlen. Was uns die ganze Zeit noch gefehlt hat. Alles falsch, alles Manipulation. Aber leider funktioniert sie blendend – oder wer hat sich noch nie von einer Anzeige hinreißen lassen und etwas gekauft, dass er oder sie eigentlich überhaupt nicht braucht?

Mit dieser Creme ist deine Haut noch weicher

Und was passiert dann? Häufig Folgendes: noch wunderbar funktionierende Dinge, ob Hautcreme, Handy oder das vor Kurzem noch so hübsche Kleidchen werden nach kürzester Zeit ersetzt und laden oftmals Haufenweise in der Tonne. Unser Konsum- und Besitzverhalten ist geprägt von größter Ignoranz, Unachtsamkeit und einem illusionierten und fehlerhaften Blick auf unsere Besitzgüter.

Mal ehrlich jetzt! Industrie, Werbeindustrie und unsere verführte Gesellschaft, die einfach nicht genug bekommt. Das Spiel geht Hand in Hand. Mehr Plakate, mehr kaufen, mehr Werbug, mehr kaufen, mehr Plakate, mehr “ich brauche noch dieses”, mehr Werbung, mehr “ich brauche noch jenes”, mehr kaufen. Immer mehr, immer großer – immer wertloser.

Da bleibt uns nur eins: ausbrechen!

Einfach mal nicht jeden Scheiß kaufen. Einfach mal nicht durch rote Angebotspreise verlocken lassen. Einfach mal am Wochenende raus in die Natur, statt in die Shopping-Mall. Einfach mal verarbeiten, was man eigentlich schon alles hat. Einfach mal schätzen lernen, was man hat!

Geht bewusster einkaufen, fragt euch einmal mehr brauche ich das wirklich? und kauft nur das ein, was ein ehrliches ja! von euch bekommen hat. Hey, ich will keine Spielverderberin sein. Wir alle kaufen auch mal etwas, das nicht super lebensnotwendig ist, was wir aber trotzdem gerne hätten. Und das ist auch vollkommen okay – es sollte nur nicht Gang und Gebe und völlig ohne Bewusstsein sein. Kauft einfach nicht um des Kaufens und Habens Willen. Sondern weil ihr etwas braucht oder es euch wirklich glücklich macht – und zwar nicht nur weil ihr es dann eben besitzt.

Ich sehe wieder was!

Wer weniger hat, weiß wenigstens was er hat. Man behält den Überblick und ist eben nicht geblendet von überquellendem Hab und Gut, sondern kann wieder besser sehen. Der Besitz hat wieder einen wahren Nutzen und Wert und verliert sich nicht in einer Masse wertlosen Schnickschnack. Besondere Käufe sind wirklich etwas besonderes und wir lernen unser Haben wieder zu schätzen.

Außerdem: Unseren Konsum zu minimieren heißt auch zu sparen und das wiederum heißt wir können uns hochwertigere und vor allem nachhaltigere Waren kaufen. Und so schließt sich der Kreis und wir tun nicht nur uns, unserer Wertvorstellung und unserem Seelenwohl etwas Gutes, sondern so letztendlich auch unserer Umwelt.

Mein Appell also an euch: hinterfragt mal euer Konsumverhalten, jetzt und im Alltag und versucht ein neues Bewusstsein dafür zu schaffen. Versucht eure Besitztümer (egal ob groß oder klein) wieder schätzen zu wissen. Ihr werdet sehen – mit größerem Bewusstsein und mehr Wertschätzung durch die Welt zu gehen, wird euch gut tun und sich richtig gut anfühlen. Besser als die extra hautstraffende Anti-Aging-Creme.

Weniger ist mehr.

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2 Kommentare zu „Minimalismus – weniger ist mehr“

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