Ich lebe nicht nur in einer Welt, sondern in zwei. Die eine ist beständig, sicher und gemütlich – die andere abwechslungsreich, wild und frei. Und so sehr ich beide Welten liebe: Das Wechseln zwischen ihnen ist immer wieder aufs Neue ein seltsames Spiel.
Ich sitze im Flugzeug von Shanghai nach München. Ein komisches Gefühl macht sich in mir breit. Ich kann es nicht gut beschreiben. Es ist ein Mix aus Ungewissheit, Verwirrung und Ernüchterung.
Ich bin meist die Hälfte des Jahres als digitale Nomadin im Ausland. Die anderen sechs Monate verbringe ich in Deutschland – und gerade ist es wieder so weit:
Nachdem ich die letzten Monate in Asien verbracht habe, steht nun der europäische Sommer vor der Tür. Dafür komme ich Jahr für Jahr zurück in die heimischen Gefilde. Und jedes Mal ist das Zurückkehren ein seltsamer Schritt. Denn: Das Leben in Deutschland und das Leben auf Reisen sind zwei vollkommen unterschiedliche Welten.
Was unterscheidet das Nomadenleben vom Leben in der Heimat?
Im Ausland regiert der Wandel: Ständig neue Kulturen, neue Menschen, neue Orte, neue Eindrücke. Veränderung ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Welt. Kein Tag ist wie der andere. Ich lebe in Colivings, trage meinen Backpack über Stock und Stein, erlebe Abenteuer, von denen ich bislang nur geträumt hatte. Nichts ist normal. Dafür ist alles aufregend, lebendig und abwechslungsreich.
In Deutschland ist das anders: Ich komme zurück und vieles ist, wie es zuvor schon war: Die gleichen Menschen, die gleichen Kulissen, die gleichen Abläufe. Es ist, als hätte ich nur kurz auf „Pause“ gedrückt. Ich werde von Normalität begrüßt und lasse den Wandel hinter mir.
Das mag erst einmal negativ klingen. Doch so ist es nicht gemeint. Nicht nur.
In Deutschland ist meine Familie. Hier sind meine festen Freundschaften verankert. Hier sind die Orte, in denen ich am meisten Zeit in meinem bisherigen Leben verbracht habe. Orte, die Heimat und Zuhause sind – und es immer bleiben werden.
Hier zu sein, fühlt sich gemütlich an. Ich habe meine Routinen, meinen Alltag, mein ganz normales und einfaches Leben.
Das Paradoxon beim Leben in zwei Welten
Es ist ein schönes Gefühl, in der Heimat zu sein. Irgendwie erdend und beruhigend. Doch es ist nicht allein: Immer häufiger schleichen sich Ernüchterung, Eintönigkeit und manchmal sogar Langeweile ein. Plötzlich vermisse ich die Abwechslung, das Unbekannte, die ständigen neuen Reize und Erfahrungen in der Ferne.
Das Paradoxe dabei ist: Habe ich diese Dinge, können sie verdammt erschöpfend sein. Und dann? Dann vermisse ich wieder die Normalität in Deutschland – und manchmal sogar die schnöde Langeweile.
Die Wahrheit ist: Das, wonach ich mich manchmal sehne, ist genau das, was mich zu einem anderen Zeitpunkt erschöpft. Oder langweilt.
Gleichzeitig wird mir dadurch immer wieder bewusst, was ich an diesen beiden Welten habe. Wie wundervoll sie beide sind. Wie wichtig sie mir beide sind. Auf ihre ganz eigene Weise. Ich lerne sie immer wieder aufs Neue wertzuschätzen. In all ihrer Unterschiedlichkeit.
Zwei Leben? Unbezahlbar!
Und weil sie beide so wundervoll sind, ist der Transit aus der einen, hinein in die andere Welt, immer wieder ein Schritt hinaus aus meiner Komfortzone. Immer wieder heißt es: eingewöhnen, loslassen, neu eingewöhnen. Und ganz ehrlich? Das ist nicht immer einfach.
Es kostet Energie. Es kommt mit komischen Gefühlen. Es kann verwirren.
Aber es schenkt mir etwas, das ich nicht mehr eintauschen möchte:
Die einzigartige Möglichkeit, nicht nur ein wunderschönes Leben zu erleben, sondern zwei.
Und diese Möglichkeit will ich nicht mehr missen.

