Von der vorweihnachtlichen Konsumgesellschaft

Weihnachten und die Konsumgesellschaft

Noch neun Tage bis Weihnachten. Hui! Seit Wochen zieren überfüllte Weihnachtsmärkte unser Stadtbild und Werbeanzeigen zum Weihnachtssale schmücken unsere Welt. Online wie offline.

Gestern war ich mal wieder in einer Fußgängerzone. Normalerweise begebe ich mich in diese Gebiete eher weniger – Shoppen ist nicht so mein Ding, wisst ihr, und irgendwie empfinde ich das Terrain Fußgängerzone doch eher als anstrengend. Naja, gestern bei einem kleinen Städtetrip war es dann aber eben doch mal wieder soweit. Ich lief durch die Fußgängerzone. Was ich lang nicht mehr getan habe. Und echt nicht vermisste habe, wie ich feststellte.

Viele Menschen, viele Tüten

Wow, echt viele Menschen. Viele Menschen mit noch viel mehr Tüten in den Händen. Tüten voll mit Weihnachtspräsenten, Krimskrams und anderen Dingen, von denen wir ja am Ende doch nur die Hälfte brauchen.

Auch ein paar volle Menschen. Ein paar viele volle Menschen. Denn mittig, entlang der Shoppingstraße, war ein Weihnachtsmarkt. Wer denkt sich das denn aus? Als ob es nicht ohne Glühweinstände und anderen Buden zur Befriedigung unserer semitiefen Gelüste nicht schon voll genug wäre.

Sorry aber ich hab Reizüberflutung

Voll. Alles voll. Menschen voll. Straßen voll. Shoppingtüten voll. Puh, sorry Leute. Nichts gegen Weihnachten und nichts gegen volle Menschen. Jeder wie er möchte. Oder sie. Oder wie auch immer. Aber ich empfinde diese vorweihnachtliche Zeit im öffentlichen Raum doch vorwiegend reizüberflutend als besinnlich. Besinnend hingegen schon. So besann ich mich nämlich schnell aus der Fußgängerzone zu flüchten und diese künftig wieder gekonnter zu meiden.

Eine Portion Konsumgesellschaft und drei Glühwein, bitte

Das Bild, das sich mir bot, bleibt jedoch im Kopf. Die Zeit vor Weihnachten – für mich nichts weiter als ein Abziehbild für unsere ausufernd Konsumgesellschaft. Ahoi! Ne, komm! Ich verzwiebel mich. Bin wohl eher so Typ Seitenstraße.

Eh, Leute. Wisst ihr was? Lasst mal Weihnachten ein bisschen mehr chillen. Wir brauchen doch nicht hundert Geschenke und all den Überfluss. Das hat doch keinen Wert.

Wir können doch nicht einfach ausgiebig shoppen. Wir. Hier. Jahr für Jahr. Neue Ware. Alles auf Hochglanz. Und voll allem noch mehr. Bitte! Hier noch ein paar hübsche Pullis aus einsturzgefährdeten Fabriken in Bangladesch. Hier noch etwas Elektronik mit den wertvollen Bodenschätzen für die afrikanische Mienenarbeiter jeden Tag um ihr Leben bangen und ausgenutzt werden. Hier noch total fein duftende Kosmetik (mit einem Hauch Mikroplastik), die glücklicherweise schon an diversen Labor-Kaninchen getestet wurde.

Neu, mehr, besser, danke

Hier noch dies, hier noch das. Hier das alles, während in anderes Teilen dieser Welt lediglich ein Lüftchen von Nichts weht. Während Menschen verhungern, während Menschen ausgebeutet werden, während Menschen sterben. Und das nicht zuletzt für unsere Gelüste. Für unseren Konsum. Für unser Weihnachten.

Freunde, geht das nicht besser? Können wir das nicht besser? Ich denk Weinachten ist das Fest der Liebe. Ist es auch, ja. Aber meist findet die Liebe ihre Grenzen ja dann doch schon in unseren eigenen vier Wänden. Oder vielleicht an den Landesgrenzen. Aber sollte es nicht darüber hinausgehen? Weit darüber hinaus? Liebe geht doch jeden etwas an. Egal wann, egal wo.

Leute, lasst das mal besser machen

Ich weiß gerade nicht, wie ich hier abschließen soll. Aber: lasst das doch mal besser machen. Lasst man weniger konsumieren. Bewusst konsumieren. Gutes. Lasst mal Gutes tun. Spenden oder unsere alten Klamotten an soziale Einrichtungen abgeben. Lasst mal Plätzchen backen und an Obdachlose verteilen. Nachhaltig feiern. Lasst mal was machen. Wenigstens irgendwas. Weil wir’s können.

Frohe Weihnachtszeit.

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