Papier Nachhaltigkeit oder auch: wie nachhaltig ist Papier?

Papier Nachhaltigkeit - wie nachhaltig ist Papier?

Immer mehr Menschen verzichten ganz bewusst auf Plastik natürlich der Umwelt zuliebe. Und das ist auch total gut so. Doch dabei wird häufig ein Fehler begangen: man nutzt als Alternative Papier. Papiertüte statt Plastiktüte, Papierverpackung statt Plastikverpackung. Und auch sonst, wenn wir uns umsehen, müssen wir feststellen: hier ist ganz schön viel aus Papier. Aber wie nachhaltig ist Papier eigentlich? Tja, jedenfalls lange nicht so nachhaltig, dass es die Lösung unserer Probleme darstellt. Denn obwohl es vielleicht nicht so schlecht für unsere Umwelt ist wie Plastik total super ist es eben auch nicht. Zeit das Thema Papier Nachhaltigkeit vermehrt auf den Tisch und unser Bewusstsein zu bringen.

Warum is’n Papier gar nicht mal so cool?

Nicht so cool ist Papier, weil Papierprodukte aus Zellstoff bestehen und dieser Rohstoff aus Holz gewonnen wird. Heißt: für alle neuen Papierprodukte müssen auch Bäume und ganze Wälder gefällt werden. Das passiert natürlich zum Großteil nicht hier zulande (obwohl Deutschland in Europa die Nummer eins unter den Papierproduzenten ist) – wir importieren lieber, beispielsweise aus Skandinavien und Brasilien. In Letzterem wird ein Großteil der Bäume übrigens unreguliert und illegal geschlagen.

Jeder fünfte Baum, der gefällt wird, wird für die Produktion von Papier gefällt. Da dies nicht immer nachhaltig und reguliert (siehe Brasilien) zu statten geht, resultiert daraus eine weltweite Waldzerstörung. Außerdem werden zur schnelleren Rohstoffgewinnung besonders schnell wachsende Baumarten, beispielsweise Eukalyptus, plantagenweise angelegt. Dadurch entstehen Monokulturen, die wiederum Böden schädigen, den Lebensraum von Tieren zerstören und deren Unterhaltung oftmals die Landrechte von Einheimischen verletzen.

Monokulturen, Ressourcenschädigung, CO2-Emissionen

Aber auch die Zellstoff- und Papierherstellung selbst sind nicht gerade gut für die Umwelt. Neben der Ressource Holz wird ordentlich Wasser und Energie benötigt. Laut Umwelt Bundesamt zählt die Papierindustrie zu den fünf energieintensivsten Branchen in Deutschland. Krass, oder? Die Herstellung einer Tonne Papier benötigt genauso viel Energie wie die Herstellung einer Tonne Stahl. Dabei wird auch ein gute Menge CO2 produziert und das ist, wie wir wahrscheinlich alle wissen, gar nicht gut für unser Erdklima. Zwischen den Jahren 1995 und 2008 sind die CO2-Emissionen bei der Papierherstellung von 14,1 auf 18,5 Millionen Tonnen gestiegen. Außerdem werden bei den Herstellungsverfahren Chemikalien benötigt, die, wenn es schlecht läuft, auch in unser Grundwasser gelangen können.

Hierzulande verbraucht jeder im Schnitt rund 250kg Papier pro Jahr. Gar nicht mal so wenig, was? Laut Verbraucherzentrale ist alleine die Nutzung von Papierverpackungen in den letzten 25 Jahren um 65% gestiegen.

Und wieso?

Man könnte doch fast meinen, zu Zeiten, wo so viel digital gelesen, gearbeitet und kommuniziert wird und die Papierform immer weniger beliebt ist, sollte auch der grundsätzliche Papierverbrauch sinken. Tja, aber da denkt man dann etwas zu kurz und auch ziemlich falsch.

Denn dafür ist gerade die Zahl von Papierverpackungen enorm gestiegen. Sie machen rund 51,5% (Stand 2017) des gesamten Papierverbrauchs in Deutschland aus. Im Vergleich zum Jahr 2000 werden heutzutage beispielsweise doppelt so viele Pizzakartons verwendet. Bei Burger, Pommes und co. sieht es wahrscheinlich recht ähnlich aus.

Ein weiterer Alles-andere-als-öko-Klassiker unserer heutigen Zeit ist der leider trotzdem recht beliebte Coffee-to-go Einweg-Becher. In Berlin alleine werden laut der Initiative Better World Cup pro Stunde im Schnitt rund 20.000 dieser Becher weggeworfen pro Tage also rund 460.000 Tausend. In ganz Deutschland sind es pro Jahr dann gut 2,8 Milliarden Becher, die im Schnitt 15 Minuten genutzt werden und dann lieblos im Müll landen. Höchste Zeit also das Thema Papier Nachhaltigkeit stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Von Cup-to-go bis Shopping Paket

Ein weiterer Hauptgrund für den ansteigenden Papiermüll ist der ebenfalls ansteigende Konsum über den Online-Handel und die die durch diesen unzählig verschickten Pakete. Denn woraus sind die alle? Klar, Papier! Und dass wir heutzutage deutlich mehr online shoppen als vor 50 Jahren, das dürfte hier ja wohl kaum einen wundern. 2018 wurden laut dem Bundesverband Paket & Express Logistik 3,52 Milliarden Sendungen (Kurier-, Express- und Paketsendungen) im Online-Handel verschickt, davon sind 84% Pakete. Pro Zustellungstag ergibt das fast 12 Millionen Sendungen. Tendenz übrigens steigend.

Aber auch in anderen Bereichen steigt die Nutzung von Papier. Hygienepapiere (also: Klopapier, Kosmetiktücher, Abschminkpads was wir im Badezimmer nun mal so benötigen) nehmen rund 6,6% (Stand 2017) des Papierverbrauchs ein.  Und natürlich werden auch in Büros sowie im Presse- und Printbereich noch ordentlich Papier verwendet nämlich insgesamt grob 35,6% (Stand 2017). Spezialpapiere wie Kassenzettel und Kaffeefilter nehmen außerdem ca. 6,3% (Stand 2017) ein. Ja, da brauchen wir uns das auch nicht mehr so recht über den Anstieg des Papiermüllvolumens wunder, was?

Papier Nachhaltigkeit Was können wir also tun?

Wir als Konsumenten sollten zusehen, Papierprodukte aus recyceltem Papier zu kaufen. Das verbraucht in der Herstellung deutlich weniger Energie und außerdem musste dafür nicht extra ein Baum gefällt werden. Guckt also beim Kauf von Druckerpapier, Klopapier, Schulheften, Blöcken und co. darauf, dass sie aus recyceltem Material bestehen. Lohnenswert ist es dabei nach dem Blauen Engel Symbol Ausschau zu halten. Produkte mit diesem Siegel bestehen zu 100% aus Altpapier.

Trennt außerdem euren Papiermüll schon von dem anderen Müll auf diese Weise kann er nämlich vernünftig recycelt werden. Und sonst: versucht Papierverpackungen zu meiden und nutzt wiederverwendbare Produkte statt einmalig nutzbare Papierprodukte. Nehmt Stofftaschen mit zum Einkaufen, damit ihr keine Papiertüte nehmen müsst, trinkt aus wiederverwendbaren Cup-to-go’s, bringt eigene Behälter mit, wenn ihr irgendwo Essen holt, und so weiter und so fort. Und versucht außerdem Papier schlichtweg sparsam zu nutzen: bestellt keine unnötigen Kataloge, druckt beidseitig, lest mit einem eBook Reader oder kauft eure Bücher und co. gebraucht statt nicht neu.

Für Plastik steigt unser Bewusst sein mehr und mehr jetzt ist es an der Zeit auch beim Thema Papier Nachhaltigkeit umzudenken.

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